Religiöse Erfahrung ist nur Gehirnchemie.
Der Einwand, im Vollen
Stimulieren Sie den Schläfenlappen, um eine mystische Erfahrung zu machen. Nehmen Sie Psilocybin und treffen Sie Gott. Epileptische Anfälle führen zu Bekehrungen, Gehirntumore zu Visionen von Engeln. Wenn wir zuverlässig Begegnungen mit dem Heiligen auslösen können, indem wir Neuronen stupsen, sagen uns die Begegnungen etwas über die Neuronen, nicht über das Heilige.
Mystische Erfahrungen verraten uns etwas über das Gehirn, so wie ein Traum uns etwas über den Träumer verrät.
oder, einfach gesagt —Wenn ein Gehirnscan zeigen kann, warum jemand Gott "fühlt", ist Gott dann nicht nur in seinem Kopf?
Die Seele ist die Form des Körpers. Natürlich ist das Gehirn beteiligt.
Der Einwand setzt einen kartesischen Dualismus voraus, den die Kirche nie gelehrt hat. Er stellt sich die Seele als einen Geist vor, der an einen Körper gebunden ist, und verkündet triumphierend, dass die Berührung des Körpers den Geist beeinflusst. Aber der Mensch ist kein Geist in einer Maschine. Die Seele ist die Form des Körpers - das Prinzip, durch das diese Materie zu dieser lebendigen, denkenden Person wird. Was sich auf den Körper auswirkt, wirkt sich natürlich auch auf den Menschen aus, auch auf seine Wahrnehmung von Gott.
Dass ein Schlaganfall die Persönlichkeit verändern kann, dass ein Tumor Visionen hervorrufen kann, dass Psilocybin zu mystischen Erfahrungen führen kann - all das ist für einen Thomisten nichts Neues. Der Intellekt hängt in diesem Leben von den Sinnen und dem Gehirn ab. Nihil in intellectu nisi prius in sensu. Wir lernen Gott immer durch den Körper kennen, niemals unabhängig von ihm.
Was der Neurowissenschaftler zeigen kann, ist, dass die religiöse Erfahrung das Gehirn nutzt. Er kann nicht allein mit Hilfe der Neurowissenschaft zeigen, dass das Gehirn das Objekt erzeugt, anstatt es wahrzunehmen. Das ist eine philosophische Behauptung, keine neurologische.