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Ebene 1 - die Welt ist mehr als Materie
Beleg 04

Es gibt etwas und nicht nichts

Der Anspruch

Jede Tatsache der physischen Welt ist kontingent — sie hätte auch anders sein können. Kontingente Dinge erfordern eine Erklärung. Die Kette der Erklärungen kann nicht endlos zurückgehen, und sie kann sich nicht selbst begründen. Es muss etwas existieren, dessen Natur es ist zu existieren.

Die Frage 'Warum gibt es etwas und nicht nichts?' ist nicht kindisch; sie ist die erwachsenste Frage überhaupt. Sie lässt sich nicht durch Verweis auf die Physik abtun, denn jede physikalische Antwort setzt genau das voraus, wonach gefragt wird — eine kontingente Wirklichkeit, deren Existenz sich nicht selbst erklärt. Die einzige hinreichende Antwort ist ein Wesen, dessen Existenz nicht kontingent ist: notwendig, selbsterklärend, reiner Akt, ipsum esse subsistens. Das ist nicht der 'Lückenbüsser-Gott'. Es ist das, worauf jede ernste metaphysische Tradition — die vedantische, die neuplatonische, die thomistische, die avicennische — auf unabhängigen Wegen konvergiert ist.

Beweisgewicht
David Bentley Hart
klassischer Theist
b. 1965

Gott ist kein Ding im Universum. Gott ist die Antwort auf die Frage, warum es ein Universum gibt.

Jede philosophische Tradition, die ernsthaft über das Sein nachgedacht hat — Vedanta, Neuplatonismus, Aquin, Ibn Sina, Maimonides — ist zu derselben Unterscheidung gelangt: kontingentes Sein hängt ab, notwendiges Sein nicht. Letzteres ist das, was das Wort 'Gott' in ernsthafter Theologie immer bezeichnet hat. Keine mächtige Entität im Kosmos, sondern der eigentliche Grund dafür, dass es überhaupt einen Kosmos gibt.

Der moderne Atheismus, indem er Gott als eine weitere Entität unter Entitäten behandelt — ein himmlisches Objekt, das neben Galaxien und Quarks existieren mag oder nicht —, argumentiert gegen ein Götzenbild, das er selbst geschaffen hat. Der klassische Gott ist kein Kandidat für die Inventarliste. Zu fragen, ob Gott in diesem Sinne existiert, ist, als fragte man, ob die Existenz existiert.

Wenn Hawking schreibt, das Universum könne sich 'aus dem Nichts selbst erschaffen' aufgrund der Gesetze der Physik, hat er das Thema gewechselt. Gesetze der Physik sind nicht nichts. Ein Quantenvakuum ist nicht nichts. Nichts ist die Abwesenheit von allem — auch von Gesetzen, Feldern, Potentialitäten und Möglichkeiten. Die klassische Frage ist, warum es überhaupt irgendetwas davon gibt.

Die einzige Antwort, die sich nicht in derselben Zwangslage befindet wie die Frage, ist: ein Wesen, dessen Wesenheit es ist zu existieren. Nicht ein Ding, das zufällig existiert, sondern die Existenz selbst, an der alle kontingenten Dinge teilhaben. Das ist es, was Aquin mit ipsum esse subsistens meinte — das subsistierende Sein selbst.

Quellen The Experience of God (2013) · Hart, "God, Gods, and Fairies" (2013)
Ad maiorem Dei gloriam