Die Zehn Gebote Gottes
Glaubenskurs, 3. Hauptteil — P. Martin Ramm FSSP
Ursprung
Die Zehn Gebote (Dekalog, von deca-logos = zehn Worte) haben Gott selbst zum Urheber. Er hat sie dem Moses am Sinai gegeben (Ex 19–20) und auf zwei steinerne Tafeln geschrieben:
Der Herr redete zu euch mitten aus dem Feuer heraus. … Er verkündete euch seinen Bund, welchen er euch zu halten gebot, die zehn Worte; und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.
Dt 4, 12f.
Jesus Christus hat die Gebote bestätigt:
Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern zu erfüllen.
Mt 5, 17
Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote!
Mt 19, 17
Warum hat Gott die 10 Gebote gegeben?
Gott schuf den Menschen auf das Gute hin, und der Mensch wird unglücklich, wenn er die Gesetze, die um seines Glückes willen aufgestellt sind, nicht hält.
Fulton Sheen, Zur Liebe gehören Drei
Eigentlich sollte das Gewissen genügen, um die göttliche Ordnung zu erkennen. Aber seit dem Sündenfall ist die Erkenntniskraft des Menschen getrübt. Was durch den Sündenfall verdunkelt war, wird durch die Gesetzgebung auf dem Sinai erhellt. Die 10 Gebote nehmen uns nicht die Freiheit, sondern garantieren sie — sie sind Wegweiser zum zeitlichen und ewigen Glück.
Obwohl die Gebote des Dekalogs schon der Vernunft einsichtig sind, wurden sie geoffenbart. Um zu einer vollständigen und sicheren Erkenntnis der Forderungen des natürlichen Gesetzes zu gelangen, bedurfte die sündige Menschheit dieser Offenbarung.
KKK 2071
Wenn du nach Weisheit verlangst, halte die Gebote.
Sir 1, 26
Befreiung aus der Knechtschaft
Am Sinai erinnert Gott an die Befreiung aus der Knechtschaft: Die Knechtschaft des Pharao ist ein Bild für die Knechtschaft der Sünde. Entweder wir beherrschen unsere Leidenschaften oder die Leidenschaften beherrschen uns. Durch die 10 Gebote führt Gott den Menschen heraus aus dieser Knechtschaft.
O hättest du doch meine Gebote beachtet, so wäre dein Glück wie ein Strom und dein Heil wie die Wogen des Meeres.
Is 48, 18
Die Gebote sind nicht nur für den Einzelnen, sondern auch das Fundament jeglicher ziviler Gemeinschaft.
Wo die Zehn Gebote Gottes nicht mehr gehalten werden, da werden hunderttausend Staatsgesetze keine Rechtsordnung aufrichten.
Kardinal Faulhaber
Biblischer Text
„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Lande Ägypten, dem Hause der Knechtschaft, geführt hat.
- Du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Du sollst dir kein Schnitzbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was droben im Himmel oder auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist! Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und sollst sie nicht verehren; denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter an den Kindern, am dritten und vierten Geschlecht, nachprüft bei denen, die mich hassen. Ich erweise aber meine Gnade bis ins tausendste Geschlecht denen, die mich lieben und meine Gebote halten.
- Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz aussprechen; denn der Herr lässt denjenigen nicht ungestraft, der seinen Namen unnütz ausspricht!
- Gedenke des Sabbattages, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage lang sollst du arbeiten und all deine Geschäfte verrichten. Doch der siebte Tag ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, weder du selbst noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der sich in deinen Toren befindet. Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel, die Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, erschaffen; doch am siebten Tage ruhte er. Darum segnete der Herr den Sabbat und erklärte ihn für heilig.
- Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir gibt!
- Du sollst nicht töten!
- Du sollst nicht ehebrechen!
- Du sollst nicht stehlen!
- Du sollst gegen deinen Nächsten kein falsches Zeugnis abgeben!
- Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren!
- Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten und auch nicht seinen Knecht, seine Magd, sein Rind, seinen Esel und nichts von dem, was deinem Nächsten gehört!"
Ex 20, 1–17
Katechetische Überlieferung
Ich bin der Herr, dein Gott:
Das Erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.
Das erste Gebot ist grundlegend. In ihm sind alle weiteren Gebote enthalten und begründet. Es geht um die Anerkennung Gottes und um das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott. Sache des Verstandes ist es, Gott zu erkennen. Der Wille muss hinzukommen, um Gott tatsächlich anzuerkennen und sich ihm gänzlich zu unterwerfen.
Das erste Gebot befiehlt
An den einen wahren Gott fest glauben
Fest auf ihn hoffen
Ihn über alles lieben
Die Tugend der Religion
Was man liebt, daran bindet man sich. Die Religion gibt Orientierung und festen „Halt nach oben". Entsprechend der leib-seelischen Natur des Menschen hat die Tugend der Religion eine innere und eine äussere Seite.
Die innere Seite
Die Tugend der Religion macht das Herz geneigt, Gott anzuerkennen, sich ihm anzuvertrauen, ihn über alles zu lieben und ihm zu geben, „was wir ihm als Geschöpfe rechtmässig schulden" (KKK 2095). Die religio ist Teil der Kardinaltugend der Gerechtigkeit (suum cuique): Gott zu geben, was ihm gebührt.
Gebt also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
Mt 22, 21
Da aber ein wirklicher Ausgleich zwischen der unendlich erhabenen göttlichen Majestät und der menschlichen Begrenztheit nicht möglich ist, können wir Gott nicht wirklich so ehren, wie er es verdient. Deshalb nennt man die Religion eine pars potentialis der Tugend der Gerechtigkeit.
Die äussere Seite
Der ganze Mensch soll Gott loben und ihm die Ehre geben. Wir schulden Gott nicht nur die Huldigung unserer Seele, sondern auch die unseres Leibes.
Bringt eure Leiber dar als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, als euren sinnvoll entsprechenden Gottesdienst.
Röm 12, 1
Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? Ihn habt ihr von Gott, und nicht euch selber gehört ihr. Denn ihr wurdet erkauft um einen Preis. So verherrlicht denn Gott in eurem Leib!
1 Kor 6, 18–20
Innere Haltung und äussere Übung bedingen einander wie Seele und Leib. Es besteht eine geheimnisvolle Wechselwirkung: Die innere Haltung findet Ausdruck und Stütze in der äusseren Form; zugleich vertieft die äussere Gebärde das innere Gefühl. Aus diesem Grund gebraucht die Liturgie so viele Riten.
Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.
Mt 12, 34
Das Bedürfnis, die äusseren Sinne am inneren Beten zu beteiligen, entspricht einer Forderung unserer menschlichen Natur. Wir sind Leib und Geist und empfinden das Bedürfnis, unsere Gefühle nach aussen kundzutun.
KKK 2702
Das Gebet der Gemeinschaft
Das äussere Gebet ist in besonderer Weise auch das Gebet der Gemeinschaft. In den Sakramenten verbindet Gott selbst äussere Zeichen mit seiner Gnade und heiligt so den ganzen Menschen.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Mt 18, 20
Die vier Akte der religio
Aus vier elementaren Regeln des Anstandes lassen sich die vier Akte der Tugend der religio ableiten. Tatsächlich ist Religion — im besten Sinn — guter Anstand Gott gegenüber:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.
Mt 4, 10
Warnung vor Veräusserlichung
Die äusseren Akte der Gottesverehrung haben ihren vollen Wert nur dann, wenn sie von der rechten inneren Gesinnung getragen sind. Wer äusserlich fromm erscheint, ohne es wirklich zu sein, gleicht einem faulen Apfel mit schöner Schale.
Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir.
Mt 15, 8
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