Die Zehn Gebote · Erstes Gebot
Das erste Gebot
Glaubenskurs, 3. Hauptteil — P. Martin Ramm FSSP
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Du sollst keine fremden Götter neben mir haben
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.
Das erste Gebot ist grundlegend. In ihm sind alle weiteren Gebote enthalten und begründet. Es geht um die Anerkennung Gottes und um das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott. Sache des Verstandes ist es, Gott zu erkennen. Der Wille muss hinzukommen, um Gott tatsächlich anzuerkennen und sich ihm gänzlich zu unterwerfen.
Das erste Gebot befiehlt
An den einen wahren Gott fest glauben
Fest auf ihn hoffen
Ihn über alles lieben
Die Tugend der Religion
Was man liebt, daran bindet man sich. Die Religion gibt Orientierung und festen „Halt nach oben". Entsprechend der leib-seelischen Natur des Menschen hat die Tugend der Religion eine innere und eine äussere Seite.
Die innere Seite
Die Tugend der Religion macht das Herz geneigt, Gott anzuerkennen, sich ihm anzuvertrauen, ihn über alles zu lieben und ihm zu geben, „was wir ihm als Geschöpfe rechtmässig schulden" (KKK 2095). Die religio ist Teil der Kardinaltugend der Gerechtigkeit (suum cuique): Gott zu geben, was ihm gebührt.
Gebt also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
Mt 22, 21
Da aber ein wirklicher Ausgleich zwischen der unendlich erhabenen göttlichen Majestät und der menschlichen Begrenztheit nicht möglich ist, können wir Gott nicht wirklich so ehren, wie er es verdient. Deshalb nennt man die Religion eine pars potentialis der Tugend der Gerechtigkeit.
Die äussere Seite
Der ganze Mensch soll Gott loben und ihm die Ehre geben. Wir schulden Gott nicht nur die Huldigung unserer Seele, sondern auch die unseres Leibes.
Bringt eure Leiber dar als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, als euren sinnvoll entsprechenden Gottesdienst.
Röm 12, 1
Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? Ihn habt ihr von Gott, und nicht euch selber gehört ihr. Denn ihr wurdet erkauft um einen Preis. So verherrlicht denn Gott in eurem Leib!
1 Kor 6, 18–20
Innere Haltung und äussere Übung bedingen einander wie Seele und Leib. Es besteht eine geheimnisvolle Wechselwirkung: Die innere Haltung findet Ausdruck und Stütze in der äusseren Form; zugleich vertieft die äussere Gebärde das innere Gefühl. Aus diesem Grund gebraucht die Liturgie so viele Riten.
Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.
Mt 12, 34
Das Bedürfnis, die äusseren Sinne am inneren Beten zu beteiligen, entspricht einer Forderung unserer menschlichen Natur. Wir sind Leib und Geist und empfinden das Bedürfnis, unsere Gefühle nach aussen kundzutun.
KKK 2702
Das Gebet der Gemeinschaft
Das äussere Gebet ist in besonderer Weise auch das Gebet der Gemeinschaft. In den Sakramenten verbindet Gott selbst äussere Zeichen mit seiner Gnade und heiligt so den ganzen Menschen.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Mt 18, 20
Die vier Akte der religio
Aus vier elementaren Regeln des Anstandes lassen sich die vier Akte der Tugend der religio ableiten. Tatsächlich ist Religion — im besten Sinn — guter Anstand Gott gegenüber:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.
Mt 4, 10
Warnung vor Veräusserlichung
Die äusseren Akte der Gottesverehrung haben ihren vollen Wert nur dann, wenn sie von der rechten inneren Gesinnung getragen sind. Wer äusserlich fromm erscheint, ohne es wirklich zu sein, gleicht einem faulen Apfel mit schöner Schale.
Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir.
Mt 15, 8
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